Viererkette statt Perlenkette

Im Rahmen des ZEUS-Projekts der Tageszeitung WAZ verfasste die Schülerin des Josef-Albers-Gymnasiums Annika Marie Peter einen lesenswerten Bericht über den Mädchen- und Frauenfußball in unserem Verband und beim SV Rhenania Bottrop. 

Bottrop. Mädchen erobern den Fußballplatz. Auch der SV Rhenania 1919 Bottrop e.V. hat eine weibliche Fußballmannschaft aufgebaut. Durchsetzen müssen sich die Spielerinnen vor allem gegen Vorurteile und Klischees.


Der deutsche Nationalsport Fußball galt lange Zeit als reiner Männersport, doch Damenfußball ist im Kommen. Bereits nach der FIFA Frauen-Weltmeisterschaft im Jahre 2011 hatten viele Mädchen den Wunsch Fußball zu spielen. Es gab einen regelrechten Ansturm auf die Vereine.


Auch der Verein SV Rhenania 1919 Bottrop e.V. hat sich eine Mädchenjugend aufgebaut. Jörg Koßek und Marcel Richter sind die Trainer der U11 Mädchenmannschaft und finden, dass es sehr viel Spaß macht, Mädchen zu trainieren. Mädchen seien entgegen der Klischees überhaupt nicht wehleidig und spielen fairer als Jungen. Die Erfolgschancen im Frauenfußball seien noch hoch, meinen Jörg Koßek und Marcel Richter. Grund dafür sei die fehlende Konkurrenz. Es gebe weniger Ligen und weniger starke Gegner.

Finanzielle Mittel und Akzeptanz fehlen

Während der Jungenfußball bereits fest strukturiert ist, fehlen im Bereich des Mädchen- und Frauenfußball nicht nur die öffentliche Akzeptanz, sondern auch die finanziellen Mittel sowie die Medienpräsenz.


Hier sieht auch Lydia Schörner die Probleme des Mädchenfußballs. Schörner ist Referentin im Bereich Mädchenfußball beim Fußballverband Niederrhein e.V. und seit etwa 30 Jahren aktive Spielerin. In Fußballerinnen-Kreisen wird sie respektvoll „Abräumerin“ genannt. „Neben der fehlenden Akzeptanz in der Öffentlichkeit, herrscht in vielen Vereinen oftmals noch die fehlende Bereitschaft, sich dem Frauenfußball zu widmen“, so Schörner. Sie kritisiert die fehlende Integration weiblicher Ballkünstler in den U11- und U15-Mannschaften der Jungen. Gerade in diesem Bereich liege für die Fußballerinnen das größte Potenzial sich weiter zu entwickeln, begründet Schörner ihre Kritik. „Durch die fehlende mediale Präsenz, fehlt dem Frauenfußball leider auch das nötige Kleingeld, um Projekte und Konzepte weiter voran zu bringen.“

14 Fußballkreise mit Mädchenteams

Jörg Koßek (l.) und Marcel Richter sind mit vollem Einsatz im Mädchenfußball tätig.
Jörg Koßek (l.) und Marcel Richter sind mit vollem Einsatz im Mädchenfußball tätig.

Im Bereich des Fußballverbandes Niederrhein e.V., zu dem auch der SV Rhenania 1919 Bottrop gehört, gibt es 14 sogenannte „Fußball-Kreise“, in denen bereits U11- und U13-Mädchenmannschaften gemeldet sind. Tendenz steigend. Dennoch liege noch jede Menge Arbeit vor den Verantwortlichen, so Schörner. Über den jeweiligen Verein haben Mädchen die Möglichkeit den nächsten Schritt zu gehen. Der Weg zur Fußballweltmeisterin führt vom Verein über die Kreisauswahl-Mannschaften in die höheren Sphären des Fußballs. „Eigens für die Leistungsträgerinnen der Vereine organisiert der jeweilige Fußballkreis Sichtungstrainings oder sichtet Spielerinnen im Rahmen des Scoutings“, beschreibt Lydia Schörner das Förderungskonzept des Frauenfußballs.

 

Über fehlenden Zulauf im Bereich des Mädchenfußballs kann sich der SV Rhenania nicht beklagen. Bei den Mädchen ist es oft so, dass sie durch Freunde an den Fußball kommen. Zusätzlich geht der SV Rhenania den Weg über die Schulen. „Kommt der Prophet nicht zum Berg, dann muss der Berg eben halt mal zum Propheten“, so Trainer Jörg Koßek. Oftmals fehle eben der Mut, sich gegen all die Vorurteile und Klischees, Fußball sei nichts für Mädchen, durchsetzen zu wollen. Doch der SV Rhenania Bottrop biete allen Kindern, auch und gerade Mädchen, eine fußballerische Heimat.

Sprung in die Kreisauswahl

Viele Spielerinnen der U17-Mannschaft sind durch Turniere an ihren Schulen zum Frauenfußball gekommen. Organisiert wurden diese Turniere von SV Rhenania. Manche Spielerinnen wurden schon des Öfteren von Jungen als „kein richtiges Mädchen“ bezeichnet. „Die Jungen denken, wir können nicht Fußball spielen“, sagen Lea und Nadine, beide Spielerinnen bei den U17-Juniorinnen des SV Rhenania 1919 Bottrop. „Die haben keine Ahnung. Die haben Angst gegen ein Mädchen zu verlieren“, meinen dagegen Jörg Koßek und Marcel Richter.


„Aus den Mädchen-Mannschaften des SV Rhenania Bottrop haben schon einige den Sprung in die Kreisauswahl geschafft. Das einzige Problem jedoch war, dass wir viele gute Spielerinnen verloren haben, weil nach der Jugend keine Perspektive vorhanden war. Es war an der Zeit, dieses zu ändern und das haben wir getan“, so Jörg Koßek.

Damit den jungen Spielerinnen auch eine Zukunftsperspektive geboten werden kann, nimmt ab der nächsten Saison eine Seniorinnen-Mannschaft ihren Spielbetrieb im Sportpark auf.


Mädchen- und Frauenfußball ist also doch nicht nur ein zeitlich begrenztes Phänomen, sondern wird immer mehr zu einem festen Bestandteil, nicht nur der Vereine, sondern auch im Bereich des Leistungsfußballs.